Tierhaltung

Artgerechte und naturnahe Tierhaltung ist in der Schweiz nicht nur gesetzlich geregelt - auch das Verhalten im
Fleischverzehr wird jeweils kritisch hinterfragt.
In der Schweiz werden über elf Millionen Nutztiere gehalten. Das Geflügel macht mit einem Bestand von fast 7,5 Millionen den grössten Anteil aus. Die Haltung der Tiere ist durch das Tierschutzgesetz genau geregelt und die  Tiergesundheit wird durch eine nationale Verkehrsdatenbank überwacht.
Die Tierhaltung ist ein wichtiger Teil der Schweizer Landwirtschaft. 2010 machte sie rund 47% der landwirtschaftlichen
Gesamtproduktion von 10.3 Milliarden Franken aus.


Allgemeines zur Tierhaltung


Die Haltung von Nutzieren stellt hohe Ansprüche an die Landwirte. Es gilt zahlreiche Gesetze und Vorschriften einzuhalten.
Doch der Aufwand lohnt sich. Denn die Tiergesundheit und der Tierschutz sind Grundvoraussetzungen für das Vertrauen
der Konsumenten im In- und Ausland in die Produkte der Schweizer Landwirtschaft. Und Tiere in artgerechter Haltung sind
gesunder und leistungsfähiger.


Tierschutz


Die Tierschutzgesetzgebung dient dem Schutz und dem Wohlbefinden des Tieres. Sie regelt das Verhalten des Menschen
gegenüber dem Tier, sowohl gegenüber Nutztieren als auch gegenüber anderen Haustieren wie Hunden und Katzen.
Tierversuche unterliegen besonders strengen gesetzlichen Vorschriften. Das aus dem Jahr 1978 stammende Tierschutzgesetz wurde vollständig revidiert und seit dem 1. Sept. 2008 ist die neue Tierschutzgesetzgebung in Kraft. Die
Schweiz nimmt weltweit eine Vorreiterrolle im Bereich des Tierschutzes ein. Wichtige Aspekte der neuen Gesetzgebung ist
der Schutz der Würde und des Wohlergehens der Tiere. So wird nicht nur der direkte Umgang mit dem Tier geregelt, sondern auch Haltung- und Ernährungsaspekte aufgezeigt. Weitere Punkte in der neuen Gesetzgebung sind die verbesserte Information der breiten Öffentlichkeit und die Ausbildung der Tierhalter.
Die Gesetzgebung mit den Verordnungen werden in der Schweiz auf Stufe Bund ausgearbeitet. Für den Vollzug in der
Praxis sind anschliessend die kantonalen Behörden verantwortlich.
Neben der Gesamtüberarbeitung des Gesetzes werden laufend neue Anpassungen gemacht. So ist in der Schweiz seit
2009 die betäubungslose Kastration bei Ferkeln verboten. Im Bereich der Rindviehhaltung müssen ab 2013 alle Kälber
Zugang zu rohfaserreichem Futter wie Heu, Gras oder Silage haben. Zudem sollen nicht mehr nur Personen mit Gefängnis
oder Bussen bestraft werden, die ein Tier misshandeln, vernachlässigen oder überanstrengen, sondern auch jene, die "in
anderer Weise seine Würde missachten". Eine weitere Verschärfung gibt es bei den Tiertransporte: Diese dürfen künftig
nicht länger als sechs Stunden dauern.
Die Anforderungen der Tierschutzgesetzgebung müssen von allen Tierhaltern in der Schweiz erfüllt werden. Für die
Landwirte gehört dies zu den Grundvoraussetzungen für die Ausrichtung von Direktzahlungen. Weiter honoriert der Bund
besonders tierfreundliche Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren. Solche Programme sind zum Beispiel das RAUS
("regelmässiger Auslauf von Nutztieren im Freien") und das BTS Programm ("besonders tierfreundliche Stallhaltungssystem", wie etwa die Haltung in einem Laufstall oder die Freilandhaltung von Schweinen). Bei der Tierhaltung gemäss BTS- oder RAUS-Programm müssen wesentlich höhere Anforderungen bezüglich Tierwohl erfüllt werden als bei der Tierhaltung nach der Tierschutzgesetzgebung. Dies bedingt entsprechende Mehrleistungen der Landwirte.

Die strenge Regelung des Tierschutzes in der Schweiz ist ein Grundpfeiler für eine tiergerechte und damit leistungsfähige
und zukunftsorientierte Produktion dank gesunden Tieren.